Praktikum im Land des Brotes

Zwei Studentinnen aus Indonesien bringen internationales Flair in die Bäckerei Kanne. Firmenchef Wilhelm Kanne sorgt dafür, dass sein Unternehmen für junge Leute interessant bleibt. Diesen Sommer fangen 26 neue Azubis an.

Multi-Kulti geht es in der Produktion der Bäckerei Kanne im westfälischen Lünen immer schon zu. „Aber jetzt haben wir uns Internationalität in die Backstube geholt. Das ist gerade für die Auszubildenden eine ganz besondere Erfahrung“, sagt Firmenchef Wilhelm Kanne. Der Grund: Zwei junge Studentinnen aus der indonesischen Hauptstadt Jakarta, die zum Praktikum im Betrieb sind und mit ihrer herzlichen Art und ihrer Offenheit „das gesamte Team beflügeln“.

Die Bäckerei Kanne mit ihren 29 Fachgeschäften ist weit über die Region ein Begriff. Der „Kanne Bio Brottrunk®“ wird bundesweit vertrieben. Das Familienunternehmen beschäftigt 380 Mitarbeiter und bildet aktuell 85 Azubis aus. „In diesem Sommer kommen wieder 26 neue dazu“, sagt Wilhelm Kanne, der die 1904 gegründete Bäckerei in fünfter Generation leitet. Und das in einer Branche, die seit Jahren von Nachwuchssorgen gebeutelt ist. Damit das so bleibt, kümmert er sich seit Jahren intensiv um das Thema Nachwuchsgewinnung. Und geht dabei auch ungewöhnliche Wege: Als die „Swiss German University“ in Soest vor einem Jahr anfragte, ob das Unternehmen Studenten aus Jakarta für ein mehrmonatiges Praktikum aufnehmen würde, sagte der 35-Jährige spontan zu. „Wir sind offen für Neues und das ist eine spannende Erfahrung, auch für unsere Azubis. Die Verständigung läuft unkompliziert und die jungen Leute wachsen über sich hinaus.“

Die Ausbildung hat im Unternehmen einen hohen Stellenwert. „Wir haben ein eigenes Reinheitsgebot, arbeiten ohne Fertigprodukte oder Zusatzstoffe und oft nach alten Rezepten. Da brauchen wir sehr viel Know-how im Betrieb“, betont der Bäckermeister und Betriebswirt des Handwerks. Schon als es im Bäckerhandwerk noch gar nicht an Nachwuchs mangelte, präsentierte die Bäckerei Kanne regelmäßig die verschiedenen Ausbildungsberufe auf dem „BerufsInformationsTag“ in Lünen. Später kamen Kooperationen mit den örtlichen Schulen dazu. „Unsere Azubis oder junge Gesellen gehen in die Klassen und stellen auf Augenhöhe das Bäckerhandwerk vor“, so Kanne. Auch beim diesjährigen „Expertentag“ des Lippe Berufskollegs werden wieder Kanne-Azubis vertreten sein. „Wir bieten außerdem viele Betriebsbesichtigungen und Praktika an.“ Das Engagement zahlt sich bei der Nachwuchsgewinnung aus. „Vor zehn Jahren hatten wir für fünf offene Stellen noch 60 Bewerber, heute sind wir froh, wenn wir alle freien Stellen besetzen können. Aber dieses Jahr hatten wir wieder einen guten Zulauf“, freut sich Kanne. Wer dann den Ausbildungsvertrag in der Tasche hat, wird intensiv betreut. Azubis im ersten Lehrjahr zum Beispiel bekommen einen Altgesellen als Ausbildungspaten zur Seite gestellt, an den sie sich Fragen oder Problemen wenden können. Außerdem gibt es für die Lehrlinge regelmäßig Intensivkurse und Inhouse-Schulungen. „Unsere beste Werbung sind gute Auszubildende.“

Wenn die Bäcker morgens um zwei Uhr ihren Dienst in der Backstube antreten, dann sind auch Michelle Eufrasia und ihre Freundin Stefanie Bun aus Jakarta zur Stelle. In der Neun-Millionen-Einwohner-Metrolpole studieren die 21-jährigen Lebensmitteltechnologie und lernen Deutsch am Goethe-Institut. Noch bis Ende Juli durchlaufen sie nun alle Abteilungen der Bäckerei. „Die Kollegen sind sehr nett und hilfsbereit“, betont Michelle Eufrasia, die später mal in einer Lebensmittelunternehmen arbeiten möchte. Sie findet es toll, wie schnell und pünktlich man hier arbeitet. In ihrer Heimat Indonesien, etwa 20 Flugstunden von Nordrhein-Westfalen entfernt, ist Brot nur Naschwerk. Reis ist das Hauptnahrungsmittel. Die jungen Frauen haben schon ihre Favoriten entdeckt. Stefanie verrät ihr Faible für Vollkornbrot und Michelle lacht: „Torten, ich liebe Torten.“

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